10 September 2015

Kinotipp: Southpaw

Letzen Freitag war ich mit meinem Liebsten im Kino. Seit Wochen schwärmt mir dieser nämlich von einem Box-Film vor, weswegen ich mich also letztendlich doch zu einem Kinoabend überreden ließ. Ich war zuerst etwas skeptisch, rechnete mehr oder weniger mit einem Schlägerfilm mit eher mangelhafter Story.
2 Stunden später war ich aber dann eines Besseren belehrt. Southpaw ist mit Abstand der beste Film, den ich dieses Jahr bisher gesehen habe. Mit treibt es immer noch die Tränen in die Augen, wenn ich daran denke. Und NICHT daran zu denken, ist beinahe unmöglich. Schon das ganze Wochenende spuken immer wieder Szenen des Film in meinem Kopf.   {Achtung Spoiler!}


This is about my family. I give you my everything.

Natürlich möchte ich euch noch nicht zu viel verraten. Daher kommt zuerst mal ein kleine Inhaltsangabe:
Billy „The Great“ Hope ist amtierender Halbschwergewichts-Champion und hat alles: Ruhm, Geld und eine wunderbare Familie. Seine schwere Jugend verbrachte er größtenteils in Kinderheimen - ein Schicksal, das er mit seiner Frau Maureen teilt. Nachdem Hope zum vierten Mal erfolgreich den Weltmeistertitel verteidigt hat, beginnt sich seine Frau, die über den neugewonnenen Luxus und das Wohl der Familie wacht, Sorgen um die Gesundheit ihres Mannes zu machen, der mehr und mehr harte Schläge einstecken muss. Gegen den Willen seines Managers Jordan Mains verordnet sie ihm eine einjährige Kampfpause. Doch dann kommt seine Frau Maureen bei einem tragischen Unfall ums Leben, worauf Hope den Boden unter den Füßen verliert. Seine angeblichen Freunde wenden sich von ihm ab, er stürzt in die Alkohol- und Drogensucht, verliert sein komplettes Vermögen, sein Hause und nicht zuletzt seine Tochter, die in die Obhut des Jugendamtes übergeben wird.
Southpaw handelt von Billys Kampf um sein altes Leben und seine Tochter, welchen er nur mit Hilfe seines neuen Trainers Tick Willis gewinnen kann.

The more you get hit, the harder you fight.

Wie ihr seht, ist die Story äußerst dramatisch. Ich kann euch nur raten, einen Vorrat an Taschentüchern mit in den Kinosaal zu bringen. Ich persönlich konnte während eines Großteil des Films die Tränen nicht zurückhalten und auch mein Freund musste ein paar Mal hart schlucken.
Nicht nur der Tod von Maureen ist extrem berührend, insbesondere wie Billy selbst und seine Tochter damit umgehen hat mich zutiefst bewegt. Billy muss sich auf einmal um all das kümmern, wofür zuvor seine Frau zuständig war und ist heillos überfordert. Hinzu kommen die extremen Schuldgefühle, die ihn plagen, da er eine Teilschuld am Tod seiner Frau trägt. Billy stürzt ab und verliert so auch seine Tochter. Aufgrund seiner Alkohol- und Drogensucht ist das Jugendamt der Meinung, diese wäre nicht mehr gut bei ihm aufgehoben. Dies bricht ihm das Herz. Southpaw ist nämlich im Grunde eine herzzerreißende Vater-Tochter-Geschichte. Billy erträgt es nicht, dass sich seine Tochter von ihm abwendet, ihn nicht sehen will, wenn er sie besuchen darf. Leilas Wut auf ihren Vater entlädt sich in einer höchst emotionalen Szene, in der sie ihren Vater anschreit, ihm sein Scheitern klar macht und sogar auf ihn los geht. Für mich persönlich waren dies neben dem Tod Maureens die schlimmsten Minuten des ganzen Film. Welcher Vater, welche Mutter will so etwas vom eigenen Kind hören. Ich würde diese Szene als endgültigen Wendepunkt des Films bezeichnen.
Billy beginnt nun sich zurück zu kämpfen, sein enormer Ehrgeiz und die Sehnsucht nach seiner Tochter treiben ihn an. Mit Hilfe seines neues Trainer Tick Williams, welcher ihm ganz neue Seiten an ihm aufzeigt, beginnt Billy, sich zurück zu kämpfen. Wortwörtlich.

Even if she hates you, you got to let her hate you, so she can feel better about ir, she can get better.

Zuletzt möchte ich noch ein paar Worte zu den Schauspielern und zum Soundtrack verlieren. Southpaw ist hochkarätig besetzt. Jake Gyllenhall zeigt eine absolut beeindruckende Leistung. Nicht nur die extremen körperlichen Anstrengungen, denen er sich für diesen Film stellen musste, sind überaus beeindruckend, auch emotional überzeugte er mich vollkommen.
Rachel McAdams in der Rolle der Maureen war mal wieder zauberhaft. Abgesehen davon, dass mir diese Frau schon seit jeher äußerst sympathisch ist, finde ich sie als Billys Frau wieder einmal hervorragend. Die Liebe zu ihrer Familie wird mehr als deutlich und insbesondere beim Gedanken an ihren Tod läuft es mir eiskalt den Rücken runter.
Forest Withaker zeigt sich, wie sollte es anders sein, von seiner besten Seite. Der selbstironische Tick Williams mausert sich im Laufe des Films beinahe zu meinem Lieblingscharakter. Er ist der erste, der - abgesehen von Maureen - in der Lage ist, Billy zu bändigen. Er bringt seine weiche Seite zu Vorschein, macht ihm zu einem verantwortungsvollen Menschen und zeigt ihm, was wirklich zählt im Leben. Tick ist eine absolut humorvolle Persönlichkeit. Während er Billy klare Regeln vorgibt, hält er sich in seinem Privatleben selbst nicht daran, was zu einigen amüsanten Szenen führt. Zuerst weigert er sich, ihn zu unterstützen. Letztendlich wirkt es jedoch so, als würde dessen Kampf zu seinem eigenen werden. Er treibt Billy an und führt ihn schließlich zum Erfolg.
Am meisten beeindruckt hat mich allerdings Oona Laurence. Die 13-jährige spielt Leila, als hätte sie deren Schicksal selbst miterlebt. Wie sie mit dem Tod ihrer Filmmutter umgeht, wie sie ihrem Vater die Leviten liest, wie sie den finalen Kampf erlebt. Bei einem Großteil ihrer Szenen standen mir die Tränen in den Augen. Absolut bemerkenswert.
Auch der Soundtrack hat mich begeistert. Eminem, der ursprünglich für die Hautrolle vorgesehen war, präsentiert Songs, die perfekt zum Storyverlauf passen und die ganzen Szenen noch emotionaler erscheinen lassen.

Wie ihr merkt, bin ich Feuer und Flamme für diesen Film. Ein Gang ins Kino lohnt sich definitiv.




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